Die Zyklus Akademie – Warum es wichtig ist, auf seinen Zyklus zu achten

Was bringt es, sich mit dem eigenen Zyklus auseinanderzusetzen? Was ist Endometriose und wer kann davon betroffen sein? Wie kann Zykluswissen den Lebenstil beeinflussen? Das und mehr haben uns Thea und Lena in diesem Interview erzählt, die die Zyklus Akademie ins Leben gerufen haben.

Wer seid ihr und was ist die Zyklus Akademie?

Thea Maillard

Thea: Ich bin gebürtige Berlinerin und lebe seit einem Jahr in Wien. Davor habe ich fast fünf Jahre lang in Lodon gelebt, wo ich mein eigenes Yoga Studio geleitet habe.

Ich arbeite seit über acht Jahren in der Yogabranche; zunächst war ich für ein paar Monate sog. Karma Yogini in verschiedenen Studios in Berlin und später London, habe also im Gegenzug für kostenlose Yogaklassen im Studio ausgeholfen, Tee gemacht, Matten geputzt usw. Ich hab mich dann aber ziemlich schnell zur Studiomanagerin hochgearbeitet und bin beim Yoga hängen geblieben. Seit 2013 unterrichte ich auch.

Über die Jahre kam durch persönliches Interesse der Schwerpunkt auf die Arbeit mit Frauen dazu. Mittlerweile unterrichte ich nicht nur Yoga, sondern unterstütze in Einzelsitzungen und Workshops Frauen dabei, ihren Zyklus mit Hilfe von Fruchtbarkeits-Bewusstsein kennenzulernen und zu verstehen. Zudem bin ich zertifizierte Vaginal Steaming Beraterin.

Lena Roepert

Lena: Ich bin gelernte Schauspielerin und Yogalehrerin, wobei ich seit letztem Jahr meinen Fokus ganz verstärkt aufs Yoga gelegt habe.

In Hamburg bin ich geboren und aufgewachsen und lebe jetzt seit ungefähr fünf Jahren in Berlin. Als ich 17 bzw. 20 Jahre alt war, habe ich in Brasilien und Uruguay gelebt, was für mich eine sehr prägende Zeit war. Schon immer hat mich fasziniert, wieso Menschen sind, wie sie sind und so habe ich mich früher viel mit geschichtlichen und kulturellen Zusammenhängen, später mehr mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt. Aus meiner eigenen Geschichte mit langjähriger Pilleneinnahme und PMS-Problematik habe ich begonnen, mich immer mehr mit dem Thema Zyklusbewusstsein zu beschäftigen und – es hat mein Leben von Grund auf geändert. Das hat mich dazu bewegt meinen Schwerpunkt beim Yoga auf Frauengesundheit zu legen.

Beide:

Die Zyklus Akademie ist eine Plattform für Frauen und Menstruierende, die ihren Zyklus besser kennenlernen und verstehen wollen. Wir informieren rund ums Thema Zyklus auf unserem Instagram Account und halten Workshops zum Thema Zyklusbewusstsein. Zudem arbeiten wir zur Zeit an unserer Webseite, einem Blog und Podcast. Stay tuned!

 

Wie ist die Idee für die Zyklus Akademie entstanden?

Beide: Wir beide haben uns erstmals bei einer Yogaveranstaltung in Berlin kennengelernt und bei dieser kurzen Begegnung schon unsere gemeinsame Leidenschaft für das Thema Menstruationszyklusachtsamkeit festgestellt, sind aber nicht in Kontakt geblieben.

Einige Monate später trafen wir uns dann zufällig bei einem Wochenend-Retreat bei dem es ums Innere Kind, Muster aus der Kindheit, und um Dinge, die uns zurückhalten ging, wieder.

Wir stellten überrascht und begeistert fest, dass wir beide schon seit längerem vor hatten Workshops zum Thema weiblicher Zyklus zu halten und haben sofort beschlossen, uns zusammen zu tun. Die Zyklus Akademie war geboren.

Worum geht es euch?

Beide: Es geht uns in allererster Linie darum Wissen zu vermitteln und praktische Tools zu vermitteln, mit denen die Frauen ihren eigenen Zyklus und damit auch sich selbst besser kennenlernen und in ihre Kraft kommen können.

 

Über die Krankheit Endometriose

Ein Thema von euch (Thea) ist die Endometriose. Könnt ihr das kurz erklären und wie widmet ihr euch diesem Thema?

Thea: Endometriose ist eine bisher noch wenig erforschte, chronische Krankheit, die als unheilbar gilt und ungefähr 1 von 10 Menschen mit Gebärmutter betrifft. Ich sage hier ganz bewusst nicht 1 von 10 Frauen, da auch Transmänner und Menschen, die sich nicht als Frau identifizieren, betroffen sind.

Bei Endometriose wächst Gewebe, das dem Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. In den meisten Fällen wächst diese “verirrte” Gebärmutterschleimhaut im Beckenraum, direkt um die Gebärmutter herum, z.B. an den Eierstöcken, der Blase oder dem Darm. Es wurde aber auch schon Endometirose im Gehirn, der Nase und im Knie von Patienten gefunden.

In meinem Fall sind es Endometrioseherde an der Leber und am Darm.

Die wohl bekanntesten Symptome sind eine starke Regelblutung mit extrem starken Schmerzen, aber nicht jede von Endo betroffene Person hat dieses Symptome.

Weitere Symptome können sein:

  • Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, je nachdem, wo die Endometriose wächst, vor allem während der ersten Zyklushälfte
  • Chronic Fatigue Syndrom (ständige Müdigkeit)
  • Übelkeit, Schwindel und Unwohlsein
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Gelenkschmerzen
  • Unfruchtbarkeit

Da die Symptome oft zyklusabhängig auftreten, wurde lange Zeit davon ausgegangen, dass Endometriose eine gynäkologische Erkrankung ist. Neuere Studien zeigen aber, dass Endo eventuell durch bestimmte Darmbakterien ausgelöst wird und dass es eine entzündliche Erkrankung des gesamten Körpers ist und daher als Immunerkrankung klassifiziert werden könnte.

Im Schnitt dauert es 8-10 Jahre, bis Endometriose diagnostiziert wird.

Seit meiner eigenen Diagnose ist es mir ein großes Anliegen, so viel wie möglich über die Erkrankung zu sprechen und aufzuklären, da leider immer noch sehr viele falsche Informationen kursieren und auch Frauenärzte oft nicht ausreichend Bescheid wissen.

 

Was habt ihr durch diese Krankheit gelernt?

Thea:

Ich habe gelernt auf meinen Körper und seine Bedürfnisse zu hören und Grenzen zu respektieren. Außerdem ist mir klar geworden, wie wichtig Ernährung für Heilung und Gesundbleiben ist. Bis jetzt habe ich auf jegliche medizinsiche Intervention (Pille, Operation) verzichtet und es geschafft meine Symptome durch Ernährung, Akupunktur und mehr Ruhe im Alltag in den Griff zu kriegen.

Noch im Sommer 2018 hatte ich so starke Schmerzen, dass ich die gesamte erste Zyklushälfte, also zwei Wochen am Stück, jeden Tag ca. 1800mg Ibuprophen nehmen musste, um überhaupt das Haus verlassen zu können.

Zwar bin ich nicht komplett symptomfrei, aber ich nehme keine Schmerzmittel mehr und bin vor vier Monaten beim ersten Versuch schwanger geworden, obwohl für Frauen mit Endo die Chancen ca. 50/50 stehen überhaupt schwanger zu werden.

 

Tipps für hormonelle Gesundheit

Was ist euer Tipp für eine ausgeglichenere, hormonelle Gesundheit?

Thea: Zu allererst: setz dich mit deinem Zyklus auseinander und lerne ihn kennen. Das ist das Allerwichtigste. Ansonsten auf jeden Fall mehr Schlaf und Ruhe, weniger Stress, eine gesunde, ausgeglichene Ernährung und regelmäßige, moderate Workouts.

 

Habt ihr einen guten Tipp gegen PMS?

Lena: Je nachdem, wie die Symptomatik aussieht. Die ist ja sehr vielfältig und je nachdem, ob jemand Wutanfälle, Kopfschmerzen, Depressionen, Heißhungerattacken, Verstopfung oder Wassereinlagerungen hat, würde ich auch verschiedene Dinge empfehlen.

Es ist auf jeden Fall wichtig sich intensiv mit seinem eigenen Zyklus zu beschäftigen und den Ursachen auf die Spur zu kommen, damit man eher präventiv handeln kann und nicht zur Notfallmaßnahme greifen muss.

Generell hilft es auf jeden Fall sich in den Tagen vor den Tagen nicht zu viel vorzunehmen, genügend zu schlafen und gesund und reichhaltig zu essen. Auch ein Bad mit Epsom Salz kann sehr wohltuend sein.

 

Ihr schreibt „body literacy“ ist die Fähigkeit, die Zeichen des eigenen Körpers zu lesen und zu verstehen. Wie sieht das bei euch im Alltag aus? Wie lebt ihr mit eurem Körper im Einklang?

Thea: Ich messe jeden Morgen meine Aufwachtemperatur und notiere sie zusammen mit anderen Zyklusbeobachtungen in einem Zyklusblatt. Durch die Auswertung weiß ich nicht nur genau, wann ich fruchtbar bzw. unfruchtbar bin (was super zum Vermeiden einer Schwangerschaft ist, aber auch beim Kinderwunsch hilfreich ist), sondern weiß auch immer, wo im Zyklus ich stehe, was mir hilft, meinen Alltag und meiner Termine zu planen.

 

Zyklisch leben und Yoga

Welche Rolle spielt Yoga bei euch bezüglich zyklisch leben?

Lena: Ich passe meine Yogapraxis an meinen Zyklus an und praktiziere kurz vor und während der Menstruation nur Yoga Nidra oder Yin bzw. Restorativ Yoga.

 

Habt ihr eine Yoga Lieblingspose, wenn ja, welche und warum?

Thea: Grundsätzlich nein, weil sich mein Körper und meine Praxis ständig verändern. Während der Periode praktiziere ich in der Regel gar keine Asanas (Yogapositionen), was aber nicht heißt, dass ich kein Yoga in dieser Zeit praktiziere. Ich bin ein großer Fan von Yoga Nidra, was meiner Meinung nach die beste Yogapraxis am Zyklusanfang ist. Gegen Zyklusmitte praktiziere ich gerne dynamisches Hatha und Ashtanga Yoga und gegen Zyklusende, kurz vor der Periode, eher Yin und Restorative Yoga.

Lena: Meine Lieblingsasana ist Savasana. Es ist für mich der intimste Moment der Yogapraxis, wo man nach der Vorbereitung durch Körper und Atem wieder mehr bei sich zu Hause ankommen kann.

 

Auf dem Weg zu einem achtsameren Leben mit eurem Zyklus, was hat euch da besonders gut (oder am besten) geholfen?

Lena: Zyklustagebuch schreiben.

Thea: Detailierte Zyklusaufzeichnungen fürhren, um Muster zu erkennen und zu verstehen, welche externen Faktoren auf meinen Zyklus einwirken.

 

Was wünscht ihr euch für Frauen in der Zukunft?

Thea:

Dass sie von klein an Body Literacy und Zykluswissen lernen, damit sie selbstbestimmter durchs Leben gehen können.

 

Wenn ihr jeder Frau etwas mitteilen könntet, was wäre das?

Thea: Lerne deinen Zyklus kennen und setzte dich mit deinem Körper und dem, was er dir zu sagen hat, auseinander. Wir Frauen brauchen keine künstliche Hormone und medizinische Interventionen um ein selbstbestimmtes (Sex-)Leben führen zu können.

Lena: Ganz genau. Dein Körper kommuniziert die ganze Zeit mit dir. Und je besser du dich selbst kennenlernst, desto besser weißt du auch, was du brauchst, was deine Bedürfnisse sind und wo deine Grenzen liegen. Zyklusachtsamkeit ist für mich eine der hilfreichsten Methoden auf dem Weg hin zu sich selbst.

 


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