Mit Endometriose und Kinderwunsch leben – Ehre deinen Körper und bleib positiv

Endometriose, eine Krankheit, die u.a. starke Regelschmerzen verursachen kann, ist ein noch wenig bekanntes und behandeltes Thema in der Frauengesundheit. In diesem Interview berichtet Chrissi, eine ernährungsbewusste und starke Frau, über ihr Leben mit Endometriose, was diese Krankheit überhaupt ist und wie sie mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch umgeht. Es verläuft nicht immer alles rosig im Leben, doch es ist wichtig, auch die nicht so leichten und bequemen Seiten zu teilen und Licht darauf zu werfen.

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Chrissi, 36 Jahre alt, aus Bremen. Ich lebe hier mit meinem Mann und meinen beiden Katzen in einer kleinen Wohnung, die langsam aus allen Nähten platzt.

Nachdem ich 2017 aufgrund eines längeren krankheitsbedingten Ausfalls in meinem Job als Marketing Managerin gekündigt wurde, entschied ich mich dazu dies als Zeichen zu sehen und endlich die lang ersehnte Selbstständigkeit anzugehen. Ich machte aus meinem Leid eine Tugend und begann auf Instagram und meinem eigenen Blog über mein Leben mit der chronische Frauenkrankheit Endometriose zu schreiben.

Heute helfe ich mit hilfreichen Tipps und Tricks anderen Betroffenen besser mit der Krankheit umzugehen und ihr Leid zu lindern. Spezialisiert habe ich mich hierbei auf die Ernährung, sodass ich im 2. Halbjahr 2020 plane, ein Coaching Angebot als Endometriose Spezialistin und Ernährungscoach anzubieten.

 

Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?

Hilfsbereit, zuverlässig und positiv denkend

 

Über Endometriose

Dein Thema ist die Frauengesundheit, speziell Endometriose. Was ist das und wie widmest du dich diesem Thema?

Endometriose ist eine chronische Frauenkrankheit, die ca. 10-15 Prozent aller Frauen im fruchtbaren Altern haben. Bei der Endometriose tritt Gewebe, welches der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelt, im Unterleib auf. Dieses Gewebe siedelt sich dort in den meisten Fällen an den Eierstöcken, an den Eileitern, an der Blase, am Darm und/oder am Bauchfell an. Dieses Gewebe wird als Endometrioseherde bezeichnet. In seltenen Fällen treten Endometrioseherde auch an anderen Organen, wie z.B. der Lunge, auf.

Diagnostiziert werden kann diese Krankheit aktuell nur durch eine Bauchspiegelung – sprich einer Operation unter Vollnarkose. Dies führt dazu, dass viele Frauen nicht wissen, dass sie diese Krankheit haben und denken, dass ihre starken Schmerzen während der Periode, bei gynäkologischen Untersuchungen und/oder beim Geschlechtsverkehr normal sind.

Bei vielen Betroffenen kommt es zu einem Zufallsbefund z.B. bei einer Blinddarm Operation oder der Abklärung einer Unfruchtbarkeit bzw. eines unerfüllten Kinderwunschs.

Doch nicht nur die Diagnose ist schwierig, es gibt auch wenig schulmedizinische Behandlungsansätze. So werden hier klassisch die Endometrioseherde in einer Bauchspiegelung entfernt und anschließend eine Hormonbehandlung z.B. mit der Antibabypille verschrieben. Diese Hormonbehandlung soll das Wachstum neuer Endometrioseherde verringern.

Leider ist es jedoch so, dass öfters in den Operationen nicht alle Herde beseitigt werden können, die Frauen die Hormontherapie nicht vertragen oder, dass unter der Hormonbehandlung trotzdem neue Endometrioseherde wachsen. Diese Frauen fühlen sich oft von der Schulmedizin allein gelassen oder haben bereits etliche Operationen ohne Besserung hinter sich.

Und hier setze ich an, indem ich diesen Frauen mit Tipps zu weiteren Behandlungsmöglichkeiten helfe, sie über Möglichkeiten einer Ernährungsumstellung aufkläre und ihnen ein offenes Ohr schenke.

 

Wie beeinflusst Endometriose dein Leben?

Ich hatte unter anderem einen großen Endometrioseherd am Enddarm, sodass mir 2018 ganze 15 cm Enddarm entfernt werden mussten. Ich habe dadurch am meisten Beschwerden mit meiner Verdauung. Der Herd drückte so sehr auf meinen Darm, dass ich unter schweren Verstopfungen litt. Heute muss ich noch immer sehr darauf achten, was ich esse.

Zudem kam es bei mir leider zu OP-Komplikationen, wodurch ich einige nicht so schöne Krankenhauserlebnisse durchleben musste. Seit dem Frühjahr 2019 befinde ich mich somit in Psychotherapie, was mir sehr hilft mit dem Erlebten aber auch mit den Lebensveränderungen durch die Krankheit und meinem unerfüllten Kinderwunsch umzugehen.

 

Was hast du durch diese Krankheit gelernt?

Dass die eigene Gesundheit das aller wichtigste ist und dass mein Körper und ich eins sind.

Ein Kampf gegen meinen Körper oder gar Hass auf ihn sind kontraproduktiv. Es ist so wertvoll immer positiv zu bleiben und stolz auf seinen Körper zu sein, wieviel er aushält und dass er einem Leben schenkt.

 

Was für eine Rolle spielt Ernährung bei dir?

Eine sehr große – tatsächlich dreht sich in meinem Leben sehr viel um die Ernährung. Ich habe schon immer total gerne gekocht und gebacken, aber ich habe auch sehr gerne immer alles gegessen, ohne auf irgendwas verzichten zu müssen. Durch die Endometriose habe ich angefangen meine Ernährung umzustellen, da der Verzicht auf einige Lebensmittel (bzw. die Reduzierung) die Verdauungsbeschwerden und die Schmerzen deutlich reduzieren.

Was ist dein bester Tipp für hormonelle Gesundheit?

Die Ernährung ist hier tatsächlich ein bedeutender Schlüssel, aber auch die Reduzierung von Stress. Beides wird oft unterschätzt, doch es hat so einen großen Einfluss auf unsere weiblichen Hormone.

 

In welchem Bereich der Frauengesundheit würdest du gerne mehr Aufklärung sehen und warum?

Ich würde gerne mehr Aufklärung insbesondere in Schulen über so weit verbreitete Frauenkrankheiten wie Endometriose sehen. Viele Mädchen bekommen bereits mit jungen Jahren ihre Periode und wissen nicht, dass starke Beschwerden ein Zeichen für Endometriose sein können. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, dass es nicht zu einer Isolierung der jungen Frauen kommt.

Zudem ist es insgesamt wichtig, dass Endometriose mehr Aufmerksamkeit erhält, damit bessere Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten erforscht werden.

Aus meiner Sicht ist es nicht richtig, dass die Diagnose lediglich per Operation möglich ist und zur Behandlung nur die Entfernung der Herde per Bauchspiegelung und eine Hormonbehandlung durch z.B. die Antibabypille zur Option stehen.

 

Über einen unerfüllten Kinderwunsch

Wie gehst du mit deinem Kinderwunsch um?

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass über drei Jahre unerfüllter Kinderwunsch spurlos an mir vorbei gehen. Es ist sehr belastend, aber trotzdem versuchen mein Mann und ich so positiv wie möglich damit umzugehen.

Das Wichtigste ist dabei denke ich, nicht den Glauben daran zu verlieren, dass man schwanger werden kann. Ich versuche daran festzuhalten, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Vielleicht war bisher einfach noch nicht die richtige Zeit, da ich mich erstmal von meinen OP-Komplikationen erholen sollte. So wünsche ich mir zum Beispiel sehr eine natürliche Geburt zu erleben und wenn ich unmittelbar nach der Operation 2018 schwanger geworden wäre, hätte man mir einen geplanten Kaiserschnitt ans Herz gelegt, da die Gefahr groß gewesen wäre, dass bei der Geburt meine Darmnaht wieder reißt.

Und dazu genießen wir aktuell alles, was man in einer Schwangerschaft oder mit Kindern nicht mehr bzw. eingeschränkt genießen kann. So geht es z.B. im März in meinen ersten Skiurlaub und ich freue mich schon so sehr endlich das Skifahren zu lernen, unsere Zweisamkeit in vollen Zügen zu genießen und mit Hochgenuss auch mal ein Glas Wein zu trinken.

 

Was tust du für deine Gesundheit, was du gerne teilen möchtest?

Tatsächlich steht meine Gesundheit für mich 2020 absolut im Fokus. Jeden Tag richtige ich aktuell auf meine Gesundheit aus. Sprich Stressreduktion, Ernährung, Bewegung aber auch Besuche beim Arzt sowie Physio- und Psychotherapie sind aktuell ein großer Bestandteil meines Lebens.

Mein Ziel ist es wieder beschwerdefrei zu leben und meinem Körper somit alles zu geben, eine Schwangerschaft zu empfangen.

 

Was tust du, um deinen Kinderwunsch zu erfüllen, was du gerne weiterempfehlen möchtest?

In erster Linie, wie eben bereits erwähnt, mein Bestmögliches für ein beschwerdefreies Leben zu tun. Mit Stressreduktion, Ernährung und Bewegung tue ich mein bestmöglichstes meine Hormone wieder in Balance zu bekommen.

Zudem überwache ich, wenn mir danach ist, meinen Zyklus, sodass ich so gut wie möglich abschätzen kann, wann mein Eisprung ist. Für eine gute Qualität der Eizellen und Spermien nehmen mein Mann und ich des Weiteren Nahrungsergänzungsmittel wie u.a. Folsäure.

Gerade auch den Mann mit einzubeziehen ist sehr wichtig, denn auch seine Gesundheit hat schließlich 50 Prozent Anteil an dem Prozess.

 

Was ist deine Vision für Frauen?

Dass wir mehr über unsere Beschwerden sprechen, unsere Probleme nicht mit uns selbst ausmachen und nicht im Stillen leiden. Nur wenn wir drüber sprechen, kann es Änderungen in der Politik und im Gesundheitswesen geben.

Und nur wenn wir drüber sprechen, können wir Gleichgesinnte finden und erkennen, dass wir nicht alleine sind.

 

Wenn du jeder Frau etwas mitteilen könntest, was wäre das?

Steh für dich ein! „Stark sein“ bedeutet nicht stark genug zu sein, Beschwerden wegzudrücken und allein irgendwie damit klar zu kommen, sondern „Stark sein“ bedeutet die Stärke zu zeigen für sich selbst einzustehen, für sein Recht zu kämpfen und die bestmögliche Behandlung bzw. Unterstützung zu bekommen.

 


Mehr über Chrissi und ihr Tun:

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